Pferd und Krieg (2) – Das Pferd im Ersten Weltkrieg

Die Rekrutierung für den Miltäreinsatz

Große Teile der Armeeführungen hatten sich von der Idee verabschiedet, Tiere könnten eine entscheidende Rolle im Krieg außer als Lastenträger spielen (…), der operative Nutzen der Kavallerie wurde angezweifelt. Zu verlockend waren die technischen Möglichkeiten, die Militärangehörige immer schon fasziniert hatten. Panzern, der Telegraphie, Automobilen und Motorrädern – ihnen schien die Zukunft der Kriegführung zu gehören.
Das war im Prinzip keine falsche Erkenntnis – nur war man vorschnell zu ihr gelangt. Denn noch besaßen die Armeeeinheiten keine flächendeckende zuverlässige technische Ausstattung. Noch fühlten sie sich – insbesondere nach den Erfahrungen der ersten Kriegswochen – bewogen, tierische Eigenschaften zu nutzen. Dabei verfügten die Militärbehörden bei Kriegsausbruch nicht über die nötigen tierischen Ressourcen, sondern mussten sich der Unterstützung ziviler Züchter und Eigentümer versichern bzw. ihre Bestände durch Zukauf aufstocken. Dies war zuvor schon in Friedenszeiten nicht ungewöhnlich. Eine mehr oder weniger enge Kooperation zwischen militärischen Akteuren und ziviler Sphäre, die man unter dem Begriff der Selbstmobilisierung der Zivilisten fassen kann, ist dann mit Kriegsausbruch in allen beteiligten Staaten zu beobachten. (…)

Aushebung der Pferde in Berlin, Plakat

Dass es im Deutschen Reich zu einem Engpass an Pferden mit erheblichen Versorgungsproblemen kam, zeigte sich schon früh. Hatte die Aushebung der Pferde bei Kriegsausbruch noch weitgehend reibungslos funktioniert, so sahen sich die deutschen Militärbehörden schon nach wenigen Wochen genötigt, weitere Aushebungen anzuordnen. Denn immer mehr Tiere kamen bei den neu aufgestellten Einheiten zum Einsatz. Je mehr Menschen und Material mobilisiert wurden, desto größer wurde auch der Bedarf an Reit- und vor allem Zugpferden. Denn die Materialmengen mussten transportiert werden, was insbesondere in Frontnähe
ausschließlich mit Hilfe von Tieren geschah.
Auch in der heimischen Landwirtschaft mangelte es an Gespannpferden, wie verschiedene Debattenbeiträge im Reichstag belegen. (…)
Da die Mobilität und Kampfkraft sämtlicher Armeen mehr oder minder stark von Pferden abhing, hatten sich gewisse logistische Rekrutierungswege eingespielt. Denn nur ein Teil der für die Kavallerie oder als Zugtiere verwendeten Pferde kam aus eigenen Militärgestüten. Über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg gab es auch in Friedenszeiten regelmäßige Pferdevormusterungen, die der Musterung wehrpflichtiger Rekruten ähnelte. Jeder Pferdebesitzer war verpflichtet, seine Tiere zu einem bestimmten Termin in seiner Heimatgemeinde vorzuführen und durch eine Militärkommission mustern und erfassen zu lassen.
In den heereseigenen Remontedepots wurden neu eingekaufte junge Pferde versammelt, welche für den späteren Heeresdienst vorgesehen waren. Häufig handelte es sich um unbeschlagene Pferde, die zum Heer kamen und daher neuausgerüstet werden mussten. Vor allem aber galt es, sie der militärischen Befehlsstruktur einzupassen und entsprechend zu schulen.(…)

An der Front

Auch für viele Tiere bedeutete der Kriegseinsatz zunächst einmal tage- und oft nächtelange Bahnfahrten in Waggons, die alles andere als artgerecht zu nennen waren. Im Westen versammelten sich die Regimenter auf grenznahen Truppenübungsplätzen, wo auch den Pferden einige Stunden der Ruhe zukamen. Schon der Bahntransport und der Ritt zum einstweiligen Rastplatz hatten die Tiere geschwächt. Dann ging es weiter in Richtung belgischer Grenze. Im günstigsten Fall war man auf die Massen an Pferden vorbereitet und hatte Futtervorräte herangeschafft. Es muss nicht betont werden, dass das nicht immer gelang und sich schon in den ersten Einsatztagen ein Problem offenbarte, das über vier Jahre hinweg den Einsatz der Tiere prekär werden ließ: die Versorgung mit genügend nahrhaftem Futter. Anfangs erschien dies noch als Organisationsmangel, der überwunden werden konnte. Später stellte sich das Problem als strukturelles Defizit dar.

Dass man im Zeitalter einer rapide fortschreitenden Technisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch auf Pferde zurückgreifen musste, war den meisten Militärstrategen klar. Unterschiedliche Ansichten gab es vor allem über die Art des Einsatzes. In Deutschland stand die Kavallerie im Zentrum einer scharfen Auseinandersetzung zwischen konservativen und reformorientierten Kräften. Wie wichtig sollten künftige Kavallerieeinsätze sein? Sollte man sie stärken und ihre militärstrategische Bedeutung noch erhöhen – oder sollte man sich nicht langsam von der Vorstellung verabschieden, mit Reitern in die Offensive zu gehen?

„Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt“, Postkarte Eigene Sammlung

Vermehrung oder Verringerung – auf diese Frage spitzten sich die Diskussionen zu. Dabei war die zahlenmäßige Entwicklung der berittenen Einheiten während der Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg in den meisten Staaten weitgehend stabil. In Deutschland verfügten die Kavallerieeinheiten zwischen 1873 und 1913 über einen Bestand zwischen 69 000 und 70 000 Tieren. (…)

Schon bald mussten Strategen wie der Militärhistoriker Friedrich von Bernhardi jedoch einsehen, dass der von ihnen bevorzugte »Kampf mit der blanken Waffe« im verminten und von Schützengräben durchzogenen Schussfeld der Maschinengewehre anachronistisch wirken musste.

Postkarte Eigene Sammlung

Trotzdem behielten die Militärbehörden zunächst sogar die Ausstattung der Kavallerie mit Lanzen bei, die bei Nahgefechten in vorherigen Kriegen gute Dienste geleistet hatten. Doch für die Realität des modernen industrialisierten Krieges, wie er an der Westfront stattfand, waren sie – anders als gelegentlich an der Ostfront – ziemlich ungeeignet. Hier halfen eher Gewehre, die die Kavallerie dann aber in die Nähe der berittenen Infanterie rückte, die Pferde nur zur Fortbewegung, nicht aber für das eigentliche Gefecht nutzte.

siehe auch:

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/die-lanze-und-die-geschichte-des-schocks/

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/pferd-und-krieg-1/

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/pferd-und-krieg-3-die-publizistischen-rueckzugsgefechte-der-deutschen-kavallerie-seit-1918-auszug/

Pferd und Krieg (1)

Pferde [Equidae] sind weltweit verbreitet. Das bekannte Hauspferd [Equus ferus caballus] ist dabei eine domestizierte Form des in Zentraleurasien verbreiteten Wildpferdes [Equus ferus]. Seine Domestikation erfolgte vermutlich bereits im 4. Jahrtausend v. Chr., zuerst durch indoeuropäische Nomadenvölker, die ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. auch begannen, Pferde nicht länger nur als Zug-, sondern auch als Reittiere zu nutzen.
Pferde sind sehr gelehrig und geschickt und darüber hinaus ausgezeichnete Langstreckenläufer. Sie können bis zu sechs Tage hintereinander jeweils 70 — 100 Kilometer zurücklegen.
Kein anderes Tier spielte in den frühen Kriegen eine so zentrale Rolle wie das Pferd. Es ist davon auszugehen, dass Pferde von Beginn der Kriegsführung an sowohl als Waffe wie auch als Beute eine herausragende Rolle gespielt haben.

Im Laufe der Geschichte wurde die Kombination von Ross und Reiter immer tödlicher. Reiter, die als Erste fest in neuartigen Steigbügeln saßen, hatten einen Vorteil gegenüber Reitern ohne jene technische Neuerung. Obwohl die Kriegsführung zu Pferd schon lange veraltet zu sein schien, trabten noch im 20. Jahrhundert so viele Pferde in die Schlacht wie nie zuvor in der Geschichte. (…)

Quelle: Die Anthropomorpha: Tiere im Krieg

Um Pferde für den Militärdienst tauglich zu machen, ist eine intensive Schulung notwendig. Vier Jahre dauerte beispielsweise beim kaiserlichen deutschen Heer die Reit- und Fahrausbildung. Dabei wurden die Pferde mit Schüssen, Paukenschlägen und Fahnenschwenken an mögliche Gefechtssituationen gewöhnt. Als besondere Dressurleistung galt es, wenn sich das Tier unter Gefechtsbedingungen auf Kommando hinlegte, um so dem Reiter als Schutzschild zu dienen.

Quelle: Die Anthropomorpha: Tiere im Krieg

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden im Deutschen Reich alle verfügbaren Pferde requiriert. Abhängig von Rasse und individueller Fähigkeit wurden sie als Kavalleriepferd, Zug oder Lasttier sowie nach Entkräftung als Fleischlieferant genutzt.

Für viele Adelige war es im Ersten Weltkrieg noch Ehrensache, zu Pferde in die Schlacht zu ziehen, klassisch mit gezogenem Säbel und Lanze. Trotz zunehmender Motorisierung blieb das Pferd zu jener Zeit das mit Abstand wichtigste Fortbewegungsmittel an der Front. Schätzungen zufolge erwarben die Briten im Ersten Weltkrieg mehr als 16 Millionen Pferde und Maultiere aus den USA.

Als 1915 erstmals mit Giftgasgranaten geschossen wurde, gab es noch keinen Schutz für die Tiere. Die ersten Gasmasken, die daraufhin entwickelt wurden, waren einfache Futterbeutel oder Lappen, die Pferden und Hunden über die Nüstern und Schnauzen gelegt wurden. Später wurden die Tiere mit funktionalen Gasmasken analog denen der Soldaten ausgerüstet.

Quelle: Die Anthropomorpha: Tiere im Krieg

Obwohl der Zweite Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht als motorisierter Krieg propagiert wurde, waren deutsche Truppen weiterhin maßgeblich auf Pferde angewiesen. Sie wurden wie zu allen Zeiten als Zug- und Transporttiere benötigt. Nach der Roten Armee hatte die deutsche Wehrmacht mit 2,8 Millionen Tieren die meisten Pferde im Einsatz. Schätzungsweise ließen insgesamt 8 — 9 Millionen Pferde in diesem Krieg ihr Leben. Allein auf deutscher Seite starben mehr als 1,5 Millionen Tiere.

siehe auch:

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/die-lanze-und-die-geschichte-des-schocks/

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/pferd-und-krieg-2-das-pferd-im-ersten-weltkrieg/

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/pferd-und-krieg-3-die-publizistischen-rueckzugsgefechte-der-deutschen-kavallerie-seit-1918-auszug/

Pferd und Krieg (3) – Die publizistischen Rückzugsgefechte der deutschen Kavallerie seit 1918 (Auszug)

Das Kriegsglück der Erde lag auf dem Rücken der Pferde. Bis in die jüngste Geschichte hinein wurden Pferde militärisch genutzt und verliehen ihren Reitern die Aura des Besonderen und, im wahrsten Wortsinne, des Erhellten. Kavalleristen pflegten ein elitäres Selbstverständnis, das an das mittelalterliche Ritterideal anknüpfte.

Die Vermögenden unter den Kämpfern brachten ihre Pferde mit und nahmen eine herausragende Stellung ein. Trotz der waffentechnisch bedingten Nivellierungstendenzen im 19. Jahrhundert galt die Kavallerie weithin als exklusive Waffeneinheit, der zu dienen es vielen eine besondere Ehre war. Vor allem Adlige fanden sich in der Kavallerie wieder, die so die jahrhundertealte Reitertradition ihres Standes fortsetzten.

Doch in Zeiten des industrialisierten Massenkriegs schienen Pferde Fehl am Platze. Die tollkühne Attacke mit gezücktem Säbel musste angesichts von Maschinengewehren und Schützengrabensystemen anachronistisch erscheinen – so sah dies zumindest ein Großteil der politischen und militärischen Führung. Dennoch gab es intensive Versuche, die Existenzberechtigung berittener Einheiten zu rechtfertigen (…)

Der Einsatz von Pferden war auch im modernen, technisierten Krieg ein Massenphänomen. Es wäre zu einfach, die Einsatzzahlen lediglich in Abhängigkeit zur Motorisierung der Armee zu betrachten. Denn selbst ein steigender Motorisierungsgrad bedeutete nicht in jedem Fall den Bedeutungsverlust des Pferdes.

Einem solchen entgegenzuwirken war das Bemühen von führenden Militärs am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Noch am 29. April 1913 hatte der General-Inspekteur der Kavallerie Johannes Georg von der Marwitz in einer Denkschrift die „Notwendigkeit der Kavallerievermehrung“ zum Anlass genommen, deren wachsendes Aufgabenspektrum beispielsweise im Grenzschutz aufzuzeigen. Neben der quantitativen Aufstockung forderte der General eine systematische Ausbildung in Friedenszeiten.“ Dies schien Sinn zu machen, denn der personelle Anteil der Kavallerie im kaiserlichen Heer hatte sich von 10,9 % im Jahr 1870 auf 8,2 % bei Beginn des Weltkriegs verringert. Zu jener Zeit gab es ca. 91.000 berittene Soldaten, die meisten davon in den 110 berittenen Regimentern. Deren Zahl erhöhte sich im Krieg auf 150, von denen die meisten jedoch aufgrund der Erkenntnisse des Stellungskriegs in unberittenen Regimenter umgewandelt wurden. (…)

Wenn man auch nicht von einem linearen und rapiden Bedeutungsverlust der berittenen Einheiten im deutschen Heer sprechen kann, so doch von einem unaufhaltsamen. Darüber darf auch nicht die zeitweilige Renaissance dieser Waffengattung hinwegtäuschen. Sie war letztlich speziellen Umständen geeschuldet, die den Pferdeeinsatz nur sporadisch wieder als nutzbringend erscheinen ließen. Zweifellos hatte die Kavallerie bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ihren operativen Nutzen. Dieser bestand in der Beweglichkeit der berittenen Einheiten die sich bestens für die Erkundung oder die Verfolgung gegnerische Truppen in schwierigem Terrain eigneten.
Zu Beginn des Jahrhunderts verkündete der Militärhistoriker Friedrich von Bernhardi, der „Kampf mit der blanken Waffe“ sei die Hauptgefechtsbetätigung der Kavallerie.
Mit seiner Aussage lehnte sich Bernhardi an das traditionelle Selbstverständnisnis der Kavallerie an, das sich in Jahrhunderten aufgrund der Beweglichkeit dieser Waffengattung herausgebildet hatte. Noch das Exerzierreglenient von 1909 verwies auf den Vorwärtsdrang der Truppe und auf die vermeintlich bewährte Bewaffnung: „Die Kavallerie soll ihre Aufgaben stets offensiv zu lösen versuchen. Nur wo die Lanze nicht am Platze ist, greift sie zum Karabiner.“
Damit waren die Positionen eines jahrzehntelangen Disputs markiert, der sich zwischen Traditionalisten und Reformern abspielte. In der Generalinspektion der Kavallerie garte dieser Konflikt in den Folgejahren weiter. Die konservativen Kräfte, die in der Attacke die wesentliche Aufgabe der Kavallerie und im Pferd ein Gefechtsinstrument sahen, plädierten für die Beibehaltung der Lanze. Die Reformer hingegen befürworteten aufgrund der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs die Ausstattung mit Feuerwaffen. Sie betrachteten das Pferd als Fortbewegungsmittel das Fußgefecht als wesentliche Aufgabe der Kavallerie. Demnach erhielt diese den Status einer berittenen Infanterie. Einstweilen behielten die Traditionalisten die Oberhand, da sie am elitären Charakter ihrer Waffengattung festhalten konnten.
Erst 1927 wurde die Lanze abgeschafft, vorwiegend auf Betreiben der Ausbilder an der Basis. Die Regimentskomandeurere hingegen waren bei weitem noch nicht von der Untauglichkeit jener archaisch anmutenden Reiterwaffe überzeugt.
Die Diskussion rührte am Selbstverständnis der berittenen Einheiten und der Frage, welchen Beitrag sie zwischen 1914 und 1918 zur Kriegführung geleistet hatten. Georg Brandt. Kavallerist und später Generalleutnant in der Wehrmacht, konstatierte 1924, dass sich die Erfahrungen vom westlichen Kriegsschauplatz nicht verallgemeinern ließen. Die spezifischen Tugenden der Kavallerie wie Verwegenheit, Mannesmut und Offensivgeist seien auch weiterhin gefragt. (…)

Woher nahmen diese Autoren angesichts einer offensichtlichen Technisierung der Kriegsführung ihren Optimismus? Die Verfechter der Kavallerie verschlossen vor der Entwicklung der Technik keineswegs die Augen. Allerdings griff in ihren Kreisen bis zum Zweiten Weltkrieg eine erhebliche Techniksepsis um sich. Wegen seiner Geländegängigkeit und seiner Unabhängigkeit von Kraftstoffen erschien ihnen das Pferd den motorisierten Fahrzeugen immehr noch als überlegen. Ohne Kavallerie würde ein zukünftiger Krieg nicht zu gewinnen sein, tönte es aus der reiterlichen Ecke. Während Panzer und technisches Material sich neutralisieren würden — falls sie überhaupt in ausreichender Menge zur Verfügung stünden —, werde siegreich sein, wer dann noch über zuverlässige Pferde verfüge, so die irrationale Ansicht. (…)

Kavalleristische Tugenden
Dass die Kavallerie eine ganz besondere Waffengattung war, bestritten die Wenigsten, unterschied sie sich doch von den Fußtruppen. Pferde waren Symbole männliche Macht, des Adels und der Offiziere. Ein Blick auf die soziale Rekrutierung belegt, dass die Kavallerie die Waffengattung des Adels bis weit in das 20. Jahrhundert geblieben ist. Während man getrost von einer allgemeinen Verbürgerlichung des Heeres seit Beginn des 20. Jahrhunderts ausgehen kann, lässt sich dies von der Kavallerie nicht behaupten. Der Adelsanteil in der Reichswehr des Jahres 1925 lag bei 24 %. Bei der Kavallerie rangierte er deutlich höher. (…)
Die Kavallerie war nicht nur ein exklusiver Club, sondern pflegte dieses Selbstverständnis in Form eines besonders ausgeprägten soldatischen Traditionsbewusstseins. Dies hing auch mit der spezifischen Kampfweise per Pferd zusammen, da die Kavallerie beweglicher als jede Fußtruppe war. Als Angriffsformation entsprach sie zudem einem männlich-heroischen Ideal, das den vorwärtsstürmenden tapferen Soldaten propagierte. (…)
Der „Geist der Kavallerie“ war angeblich das einzige, was von dieser Waffengattung nach der durchgreifenden Motorisierung der Armee übrig geblieben war.
Die Erfolge der Panzerwaffe im Zweiten Weltkrieg gründeten nicht zuletzt auf kavalleristischer Ausbildung und Denkungsart:
„Die Fortentwicklung der Technik bringt neue Formen der Kriegsführung und stellt uns unter veränderten Verhältnissen vor neue Aufgaben. Eines aber bleibt und das ist der in der langen deutschen Kriegsgeschichte immer wieder bewährte Reitergeist. Ihn als Vermächtnis der deutschen Kavallerie hinüberzutragen in neue Formen ist unsere Aufgabe und unser Gelöbnis.“ (Richter)
Die Vermittlung einer elitären, wertorientierten Gesinnungstradition bildete das letzte argumentative Refugium der Pferdefreunde unter den Soldaten:
„Dieser Adel der Gesinnung, der Haltung und des Handelns muß auch in unserer völlig gewandelten Welt unverzichtbarer Bestandteil menschlichen Seins bleiben.“ (Klaus Christian Richter: Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919-1945, Stuttgart 1978)

siehe auch:

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/die-lanze-und-die-geschichte-des-schocks/

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/pferd-und-krieg-1/

https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/pferd-und-krieg-2-das-pferd-im-ersten-weltkrieg/

Friedrich Ludwig Jahn und die Militarisierung der Leibesübungen

In der deutschen Erinnerungskultur ist Friedrich Ludwig Jahn (11. August 1778 bis 15. Oktober 1852), genannt der „Turnvater“, omnipräsent. Jahn prägt die deutschen Stadtpläne, denn mehr als 1100 Straßen tragen den Namen Friedrich Ludwig Jahns. Damit gibt es mehr Jahn- als Schillerstraßen. Jahndenkmäler und Jahnbüsten zieren in kaum überschaubarer Zahl deutschsprachige Felder und Fluren, Turnhallen und Sportplätze. Briefmarken und Poststempel tragen sein Konterfei. Jahns Bekanntheitsgrad basiert aber trotz der Vielzahl dieser konkreten und abstrakten Erinnerungsorte primär auf mündlicher Überlieferung: das Eponym „Turnvater“ und der populäre Turnerspruch „frisch, fromm, fröhlich, frei“ verankern Friedrich Ludwig Jahn im kollektiven Gedächtnis. Noch heute tradieren vor allem Turn- und Sportvereine diesen „Turnvater Jahn“ im deutschsprachigen Raum. (…) Damit pflegen sie eine Tradition, die über ein Jahrhundert vor ihnen erfunden wurde: Jahn als Vater, Ursprung und Verbindung der Turner und – seit späterer Zeit – auch der Sportler.
(1 – Wellner)

Jahn spricht zur Eröffnung des ersten deutschen Turnfestes in der Hasenheide
Aus: Exerzierfeld der Moderne. Industriekultur in Berlin im 19. Jahrhundert, 1984

[Jahn eröffnete] 1811 den ersten deutschen Turnplatz auf der Hasenheide in Berlin. Des Weiteren setzte er sich für die Verbreitung des Turnens ein. Als der Befreiungskrieg gegen Napoleon 1813 begann, trat Jahn mit seinen Turnern dem Lützowschen Freikorps bei. Von den Ergebnissen des Wiener Kongresses enttäuscht setzte sich Jahn für die Bewegung der Burschenschaften ein, welche in engem Zusammenhang mit der Turnbewegung stand. Beim Wartburgfest 1817 fungierte Jahn als einer der Mitinitiatoren. Im Zuge der Karlsbader Beschlüsse wurde Jahn 1820 verhaftet und verbrachte anschließend mehrere Jahre in Haft bzw. unter Polizeiaufsicht. 1840 wurde der Turnvater durch Friedrich Wilhelm IV. vollkommen rehabilitiert, 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Friedrich Ludwig Jahn starb 1852. (…)

Dass Jahns Sicht auf Leibesertüchtigung immer auch einen militärischen Anstrich hat, wird bereits offensichtlich, besieht man sich die Beispiele aus der Geschichte, welche er heranzieht, um die Sportlichkeit der Ahnen hervorzuheben. So zitiert er beispielsweise Tacitus, der die Schnelligkeit des germanischen Fußvolkes rühmt, die es ihm möglich mache, unter der Reiterei mitzukämpfen. [Jahn: Deutsches Volkstum, S. 149. Jahn geht schließlich sogar soweit zu behaupten, dass die Trägheit der Deutschen in den Leibesübungen ihren Anteil an der deutschen Katastrophe von 1806 gehabt hätte: „Man lese […] wie die Römer von Kindesbeinen an Vorübungen, Waffenübungen und eigentliche Kriegsübungen trieben, und ihre Großthaten werden uns erklärlich. Man beobachte, wie bei uns die Leibesübungen ausgestorben sind, bis auf das Führen des Gänsekiels und einen wilden Sprungtanz, der den letzten Rest giebt; und die Kriegswunder der Neuzeit haben ihre natürlichen Ursachen.“]

Aus Tonbildschau „Reiten, Reiten Reiten“

Die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung muss, wann immer möglich, wahrgenommen werden, weswegen Jahn schreibt, dass Gehen, Laufen, Springen, Werfen und Tragen Tätigkeiten seien, welche stets anwend- und durchführbar seien. Einen ganzen Katalog an Leibesübungen zählt Jahn auf, welche er regelmäßig betrieben wissen möchte:
Klettern, Steigen und die Ausbildung des Gleichgewichtssinns sollen in gebirgigen Gegenden stets von der Jugend trainiert werden.
Schwimmen sollte auch jeder Deutsche können.
„Schlittern“, also das Fortbewegen auf gefrorener Fläche, solle nicht untersagt, sondern vielmehr geübt werden; er, Jahn, hielte dies nur für sinnvoll in einem Land, in welchem es Winter gebe.
Sich mit einem Boot auszukennen, es steuern, segeln und rudern zu können sei etwa für Bürger eines Landes wie Preußen, das über viele Binnengewässer und flache Küsten verfüge, nach Meinung des Turnpioniers unentbehrlich.
Alle diese Betätigungen dienen der allgemeinen Stärkung des Körpers und der Geschicklichkeit. Teilweise sind es auch Übungen, welche zur besseren Bewältigung des Alltags in einer spezifischen Umwelt dienen sollen, wie etwa letztgenanntes Umgehen Können mit dem Boot zeigt. Hier hat Sport nicht nur einen gewissen Gesundheits- und Fitness-Aspekt, sondern verfolgt einen ganz pragmatischen Zweck: Der Mensch soll sich behelfen können. Jahn empfiehlt, um den Leibesübungen überdies noch einen gewissen Anreiz zu geben, regelmäßig Wettspiele zu veranstalten, damit sich die Jungen miteinander messen können.

Hasenheide aus: Berlin: Biographie einer großen Stadt | Bisky, Jens

Dass Jahn die Jugendlichen auch für das Militär brauchbar machen will, beweisen die nächsten Betätigungen, zu welchen er die Jugend angehalten wissen möchte. So soll im Rahmen seiner Volkserziehung jeder das Schießen erlernen. Des Weiteren soll jede Markschule über Fecht- und Reitschulen verfügen und auch das Voltigieren will Jahn vermittelt wissen. Der Zögling soll also nicht nur Schießen und Fechten können, sondern wie ein Kavallerist auch über vollendete Körperbeherrschung im Sattel verfügen. Jahn gibt ganz offen die Militarisierung der Leibesübungen zu, wenn er schreibt: Eine wahre Volkserziehung muß die Vorarbeit für künftige Vaterlandsverteidiger ebensowohl übernehmen, als andere Ausbildung“ Der Sportunterricht, welcher Jahn vorschwebt, soll den Soldaten von morgen bereits vorfertigen. Das deutsche Vaterland braucht „Menschenmaterial“ zu seiner Verteidigung, für den Kampf gegen Napoleon. Dementsprechend soll sich an die durch Leibesübungen gewährleistete Vorbereitung nach Jahns Willen eine dreijährige Dienstzeit im stehenden Heer im Jünglingsalter anschließen, das erste Jahr als „Dienstlerner“, das zweite als „Dienstthuer“ und das dritte als „Dienstlehrer“. Des Weiteren sei jeder gesunde Mann bis zum Alter von 45 Jahren Mitglied der Landwehr, also des Aufgebots, welches im Verteidigungsfalle mobilisiert wird. Das Soldatentum soll demnach von der Jugend bis über die Lebensmitte hinaus Teil des Männerlebens sein. Den „vaterländischen Schutzkrieg“, zu dessen Zwecke die Männer von Jugend an wehrhaft erzogen werden sollen, den Krieg der von Vaterlandsliebe Entflammten gegen eine fremde Macht empfindet Jahn als ehrbaren, aufrechten Krieg. Bei der Verteidigung des Vaterlandes „ist des Kriegers Herz im Einklange mit dem Verstande“, diesen Kampf nimmt man gern auf, glühend vor Begeisterung. Der „vaterländische Schutzkrieg“, die „Landwehr“, sei doch ehrlicher und humaner als ein Krieg, in welchem Soldatenheere gegeneinander gehetzt würden. Jahn argumentiert, dass „Soldatenkriege“ nur wenig ehrbar seien, da die Beteiligten nur um ihres Soldes willen kämpften. So seien diese Kriege doch eine zynische „Menschenhetze“, „ein elendes Faustbalgerspiel, bloße Hunderttausende, Mietlinge, Söldlinge, Gezwungene, Geworbene gegeneinander“. Wie anders doch die Landwehr, wo jeder Einzelne begeistert für Volk und Vaterland in die Schlacht zöge, das Recht auf seiner Seite wissend. (2 – Rittner)

Rüstungsbetriebe in Kreuzberg

Die Bemühungen von Großkonzernen und [Nationalsozialisten], die deutsche Wirtschaft auf den Krieg vorzubereiten, hinterließen auch in den kleinen und mittelständischen Betrieben Kreuzbergs Spuren. Der Berlin-Historiker Dieter Hoffmann-Axthelm schreibt in dem Aufsatz „Geschichte und Bedeutung der Kreuzberger Mischung“:
„Erst 1936/37 schlug das Rüstungsprogramm auf die Kreuzberger Situation durch. Das geschah über die neue Flugzeugindustrie. Diese hatte damals ungefähr den motivationalen und katalysatorischen Stellenwert, den heute die Mikroelektronik einnimmt. Schon auf den Schulen war sie das technische Phantasieobjekt schlechthin. Aber sie wurde auch zum realen Arbeitsgebiet der Kreuzberger Metallbetriebe, die sich im Stande zeigten, technische Neuerungen sofort mit ihren erprobten Mitteln in gewünschter Präzision massenhaft zu produzieren, vom Kugellager über Propeller, Motoren bis zu den Schrauben und Karosserieblechen.“ (Kreuzberger Mischung, S.18)

Der konkrete Nachweis, welche Betriebe in Kreuzberg ihre Fertigung auf die Produktion von Rüstungsgütern umstellten, ist schwer zu erbringen, da sehr viele Firmengebäude und -unterlagen im Krieg zerstört wurden. Dokumente des Arbeitsamtes Mitte, in denen alle 1937 registrierten Berliner Rüstungsbetriebe aufgelistet sind, blieben jedoch von der Zerstörung durch die Alliierten bzw. der Vernichtung durch die Nazis selbst verschont. Es handelt sich bei diesen Unterlagen um den Schriftverkehr zwischen den Wehrwirtschaftsstellen, dem Arbeitsamt Mitte und dem Landesarbeitsamt Brandenburg. Er ist im Landesarchiv Berlin einzusehen (Rep 242 Acc 513 Nr.38). Aus diesen Akten geht hervor, daß im Zeitraum von 1935 bis 1937 alle Facharbeiter in Berliner Rüstungsbetrieben auf Karteikarten registriert wurden, um sie im „Mobilmachungsfall“ vom Krieg freizustellen. Zuerst wurde den Berliner Firmeninhabern die Möglichkeit eröffnet, sich als sogenannter R-Betrieb, die damals übliche Abkürzung für Rüstungsbetrieb, bei den Wehrwirtschaftsstellen registrieren zu lassen. Diesen R-Betrieben wurden für jeden Arbeiter, der aufgrund seiner „Spezialausbildung …und geheimzuhaltender Fabrikationsmethoden“ vom Militärdienst befreit werden sollte, Facharbeiterkarteikarten zugeschickt. Die Karteikarten wurden ausgefüllt an die Wehrwirtschaftsstellen zurückgeschickt, die sie an das Arbeitsamt Mitte weiterleiteten, das wiederum die Listen an das Landesarbeitsamt Brandenburg übermittelte. Das Arbeitsamt Mitte faßte in einem Schreiben an den Präsidenten des Landesarbeitsamtes vom 2.11.1937 mit der Überschrift ..Geheime Reichssache“ das Ergebnis folgendermaßen zusammen: „Bisher sind an R-Betrieben 423 Bedarfsträger (gemeint sind Rüstungsbetriebe, d.V.) mit etwa 110.000 Facharbeitern gemeldet worden. Mit weiteren ungefähr 100 Bedarfsträgern mit etwa 25.000 Facharbeitern ist zu rechnen, so daß zusammen etwa 523 Bedarfsträger mit zusammen 135.000 Facharbeitern in Betracht kommen.“

Jeder sechste der aufgeführten Berliner Rüstungsbetriebe produzierte in Kreuzberg davon jeder dritte im ehemaligen Exportviertel Ritterstraße. Auch entlang der Köpenicker Straße hatten sich schon vor dem Krieg viele Firmen auf die Produktion von Kriegsgeräten eingerichtet. Noch hatten diese Aufrüstungsbemühungen auf die Kreuzberger Bevölkerung keine Auswirkungen. 1937 gab es auf dem deutschen Binnenmarkt noch einen freien Handel, an dem zumindest die teilhaben konnten, die nicht von den Nazis verfolgt wurden. Die Produktion von zivilen Konsumgütern war nicht eingeschränkt. Dies änderte sich, nachdem Deutschland mit dem Vernichtungsangriff auf Polen am 1.September 1939 den Zweiten Weltkrieg verursachte. Kleine Betriebe mußten oft geschlossen werden, weil die Betreiber zum Militärdienst eingezogen wurden.

Großen Einfluß bei der Materialzuteilung und der Zuweisung von Arbeitern an die kleinen und mittelständischen Betriebe übten die Leiter großer Rüstungskonzerze aus.
1942 saßen die Spitzen von Siemens, IG-Farben und Daimler-Benz in den Hauptringen und Hauptausschüssen des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition. Sie erteilten Direktiven, die dann von über 170 Sonderausschüssen, Sonderringen und zahlreichen weiteren Arbeitsausschüssen umgesetzt wurden. In Berlin nahm dabei Siemens eine Führungsrolle ein. Der ursprünglich am Askanischen Platz gegründete Betrieb war während des Zweiten Weltkrieges das größte Monopolunternehen der Elektrotechnik in Europa. Friedrich Luschen, Leiter der Wirtschaftsgruppe Elektroindustrie bei Siemens, hatte 1942 das Sagen im Hauptring Elektrotechnische Erzeugnisse. Er besaß hiermit die Weisungsbefugnis gegenüber allen Firmen seines Aufgabengebietes.
(…)
Um konkrete Angaben darüber machen zu können, welche Betriebe in Kreuzberg welche Kriegsgeräte produzierten, ist die Reichsbetriebskartei, die 1943 von den Nationalsozialisten angelegt wurde, hilfreich. In dieser Kartei sollten alle wichtigen deutschen Rüstungsbetriebe exakt erfaßt werden. Über jeden Betrieb wurde eine Karteikarte angelegt, auf der die Betriebseigner die Grundstückgröße, die Mitarbeiterzahl und die produzierten Güter einzutragen hatten. Die Firmenbetreiber mußten aus Geheimhaltungsgründen ihre Produktionsgüter nach Fertigungsgruppen verschlüsseln und mit KG (für Kriegsgerät) kennzeichnen, die Herstellung von Patronenhülsen nannte sich z. B. KG 31 /63. Diese Verschlüsselung war nur für Eingeweihte verständlich, die Zugang zu den Listen „Reichswaren-Numerierung“ und „Warengruppen-Übersicht“ hatten. Für einen Laien war beispielsweise die Karteikarte der Firma Paul Böhm der Ritterstraße 11 unverständlich. Auf der Karteikarte der Firma sind folgende Verschlüsselungen aufgeführt (in Klammern die jeweilige Bedeutung):
KG 24/010″ (Zellenbau) – RW-Nr „71080″ (Luftfahrtindustrie)
„KG 24/080″ (Luftfahrtausrüstung) – RW-Nr „71011 “ (Luftfahrtindustrie)
„KG 31/61 “ (Handfeuerwaffen und Waffen bis zu 2 cm) – RW-Nr „70010″ Stahl- und Blechwarenindustrie)
„KG 23/130″ (Panzerkampfwagen und Sturmgeschütze) – RW-Nr „70210″ (Fahrzeugindustrie)

So lassen sich über Firmen, die in der Reichsbetriebskartei festgehalten wurden, eindeutige Aussagen über deren Kriegsgeräte-Produktion machen. Die Reichsbetriebskartei, die im Bundesarchiv Koblenz einzusehen ist, berücksichtigte allerdings nur größere Industriebetriebe ab 50 Mitarbeitern. Die Nationalsozialisten haber das Projekt Reichsbetriebskartei nicht komplett zu Ende führen können, ferner ist die Kartei nur zum Teil überliefert.(…)
Wieviele Firmen in Kreuzberg tatsächlich für die Rüstung produzierten, läßt sich nur erahnen.(…)
Man muß davon ausgehen, daß die vielen nicht berücksichtigten mechanischen und metallverarbeitenden Werkstätten, Maschinenbaufabriken oder Elektrobetriebe, die laut Adreßbüchern in Kreuzberg ansässig waren, auch im Auftrage des Reichsministers für Rüstungs- und Kriegsproduktion arbeiteten.

siehe auch die Karte: https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/ruestungsbetriebe-in-kreuzberg-karte/

Die Frühjahrs- und Herbstparaden auf dem Tempelhofer Feld

Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit standen in Berlin die auf das Paradefeld führende Bellealliancestraße und vor allem die dort gelegene Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments, in der viele Angehörige der Kaiserfamilie ihre Pferde bestiegen.

Postkarte von 1910, die das erste Dragoner Regiment beim Ausmarsch zur Parade zeigt

Die Ritualisierung der militärischen Ausbildung im Paradezeremoniell
Das zeremonielle Herzstück des nationalen Militärkultes, die Truppenparaden vor dem jeweiligen Staatsoberhaupt, entstand als Ergebnis eines in der Frühen Neuzeit mit der Herausbildung stehender Heere einsetzenden Entwicklungsprozesses, in dessen Verlauf der militärische Drill zunehmend ritualisiert und seiner ursprünglichen kampftaktischen Funktionen beraubt wurde. (…)
Kernstück der Ausbildung war das formalisierte Exerzieren, bei dem einzelne Bewegungsabläufe – wie etwa das Nachladen der Gewehre oder das geordnete Vorrücken der Truppenverbände – auf Befehl der Vorgesetzten stereotyp durch die Soldaten eingeübt wurden. (…)

Die allmähliche Ritualisierung des Paradezeremoniells belegt auch der Bedeutungswandel, dem das Wort »Parade« in den deutschen Konversationslexika im 19. Jahrhundert unterworfen war. Dabei verschob sich der Gebrauch des Wortes von einem Synonym der »Revuen« immer stärker zu einer Bezeichnung der zunächst als »große Paraden« gekennzeichneten feierlichen Veranstaltungen mit ihrer stereotypen Zweiteilung in »Honneurs« (feierliche Begrüßung, Abschreiten der Front) und Vorbeimarsch der Verbände. (…)
Vor allem Kaiser Wilhelm II. legte (…) besonderen Wert auf diese militärische Beurteilung, da er die Paraden als zentrales Element bei der Erziehung der Rekruten zur militärischen Männlichkeit betrachtete. (…)
Die von Wilhelm II. formulierte Auffassung entsprang somit der in Militärkreisen bis ins 20. Jahrhundert verbreiteten Meinung, daß der formale Drill und die gleichgerichtete Bewegung der Soldaten unerläßlich für die Disziplin der Truppen sei und damit als Kernpunkt der militärischen Ausbildung angesehen werden müsse. (…)

Als am 1. September 1909 die Truppen zur alljährlichen Herbstparade des Gardekorps auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin in Felduniform, also ohne die üblichen farbenprächtigen Paradeuniformen, erschienen, war die Verwunderung der zahlreichen Zuschauer außerordentlich groß. Einzelne Anwesende vermuteten sogar, es gäbe »gar keine richtige Parade, sondern ein großes Gefecht«, mit dem der Kaiser die Herbstmanöver beginnen lassen wolle. (…)

Eine weitere Ausnahme im Rhythmus der jährlichen Kaiserparaden bildete die preußische Garde, die als einziges Armeekorps der gesamten Monarchie jedes Jahr sowohl im Frühjahr als auch im Herbst zur Parade vor dem Kaiser antrat. Die beiden Frühjahrsparaden der Garnisonen Berlin und Potsdam sowie die große Herbstparade auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin hoben die Gardetruppen deutlich gegenüber den anderen Verbänden des Reiches hervor, die nur alle sechs bis neun Jahre vor dem Kaiser defilierten. Diese Sonderstellung im Zyklus der Kaiserparaden hing eng mit der Rolle der preußischen Garde als monarchischer Eliteverband zusammen, welche sie mit ähnlichen Verbänden der europäischen Heere des 19. Jahrhunderts, etwa der kaiserlichen Garde im napoleonischen Frankreich, teilte. Ihr Elitecharakter äußerte sich dabei nicht nur in dem speziellen Rekrutierungsmodus der im ganzen Land streng ausgewählten Soldaten, sondern auch in ihrer besonders häufigen Inspektion durch den Kaiser. Entsprechend wurden die Gardesoldaten in preußischen Militärkreisen gerne »als die militairischen Repräsentanten der gesamten Monarchie« bezeichnet. Zudem bestand zwischen dem preußischen Herrscherhaus und der Garde eine persönliche Beziehung, die sich unter anderem darin äußerte, daß sämtliche männliche Mitglieder der Königsfamilie bereits in ihrem zehnten Lebensjahr zu Offizieren in einem Garderegiment ernannt wurden. Die Paraden in Berlin und Potsdam, an denen üblicherweise neben dem Kaiser auch die übrigen Mitglieder der Herrscherfamilie teilnahmen, dienten damit auch der rituellen Bekräftigung der engen Verbindung zwischen dem preußischem Königshaus und der Armee. Da überdies die Garderegimenter eine zentrale Funktion bei der Repräsentation der preußisch-deutschen Monarchie übernahmen, setzten die häufigen Militärfeiern in Berlin und Postdam ein deutliches Zeichen für die Ausrichtung des Armeekultes auf die Hohenzollern und die neue Reichshauptstadt. Der besondere Charakter der Paraden des Gardekorps äußerte sich auch in dem auffallenderen Erscheinungsbild der Veranstaltungen. Zwar unter schied sich der militärische Ablauf der Feierlichkeiten nicht wesentlich von dem allgemeinen Zeremoniell der Kaiserparaden, doch gaben die aufwendig gestalteten Uniformen des Gardekorps den Feiern ein besonderes Gepräge. Auch unterschieden sich die Soldaten der Garde von den Angehörigen der übrigen Regimenter durch ihre größere Statur, da diese ein entscheidendes Kriterium für ihre Rekrutierung für den Eliteverband darstellte. Vor allem besaßen die Paraden des Gardekorps aber durch die Entfaltung der gesamten Pracht der höfischen Repäsentation eine besondere Wirkung. So urteilte die »Vossische Zeitung« über die 1880 einige Tage nach der Parade der Garde auf dem Tempelhofer Feld veranstaltete Militärfeier des III. Armeekorps:
»War das Gesamtbild an und für sich auch prächtig, so glanzvoll wie am 1. September [bei der Parade des Gardekorps] war es doch nicht. Die packende Masse der sonst passierenden Generale, die fremden Fürstlichkeiten, die Hofequipagen mit den Vorreitern und der feurigen Bespannung, alles dies fehlt.« (…)

Die Truppen von der Parade zurückkehrend, Friedrichstraße, 1913, Eigene Sammlung

Die in Berlin und Potsdam veranstalteten Paraden erhielten ihre besondere Prägung nicht nur durch den Auftritt des Gardekorps, sondern auch durch die Anwesenheit einer Reihe von Personen, die als Mitglieder der sogenannten »Hofgesellschaft« die weitere Umgebung des Monarchen bildeten. Nach der zeitgenössischen Definition gehörten hierzu die in Berlin anwesenden Fürsten, hohen Militärs, Diplomaten sowie die diensttuenden Hofchargen. (…)
Allerdings handelte es sich bei dieser »Hofgesellschaft« – anders als ihre in der Forschung gebräuchliche Definition auf der Grundlage der Bestimmungen des »preußischen Hof-Rang-Reglements« suggeriert – nicht um eine konstante und klar abgegrenzte Gruppe, sondern um eine unbestimmte Zahl von Personen, die mehr oder weniger regelmäßig an den verschiedenen Hoffeierlichkeiten teilnahmen.Ihre Zusammensetzung war zudem trotz der über die Jahre gleichbleibenden Regelungen des »preußischen Hof-Rang-Reglements« keineswegs konstant. Am augenfälligsten war nach den Einschätzungen von Zeitgenossen insbesondere der Wandel, dem die Hofgesellschaft im Laufe der Regentschaft Kaiser Wilhelms II. aufgrund der Nobilitierung vieler bürgerlicher Beamter und Offiziere sowie durch die Zulassung einzelner bürgerlicher Industrieller und Millionäre unterworfen war. (…)
Da viele Mitglieder der Hofgesellschaft, wie der Berliner Polizeipräsident notierte, sich aufgrund des offiziellen Charakters der Feierlichkeiten »verpflichtet fühlten«, den Militärparaden beizuwohnen, mußte seine Behörde aber immer wieder Anfragen der Privatpersonen ablehnen. Die vom Polizeipräsidium ausgegebenen Zulaßkarten erlaubten es, im Wagen die Absperrungen um das Tempelhofer Feld zu passieren und so der militärischen Feier in der Nähe des Kaisers beizuwohnen. Da bis zum Jahre 1905 keine Tribüne auf dem Paradefeld existierte und auch sonst der Bevölkerung kein Zugang zu dem Geschehen gewährt wurde, waren die Wagenzuschauer über lange Zeit die einzigen Personen, die neben den an der Parade beteiligten Truppen und dem kaiserlichen Gefolge direkt das feierliche Geschehen verfolgen konnten und so die offizielle Öffentlichkeit« der Berliner Militärfeiern darstellten. Entsprechend aufschlußreich ist es, über die Akten der Berliner Polizeibehörde einen Einblick in die Zusammensetzung dieser Paradeöffentlichkeit zu erlangen. Nach Berechnungen des Polizeipräsidiums von 1890 lag der durchschnittliche Bedarf an Wagenplätzen pro Parade bei 280 Stück, von denen rund zwei Drittel von den verschiedenen in Berlin ansässigen Militärbehörden reklamiert wurde. Diese verteilten die ihnen zugewiesenen Karten an die ihnen unterstellten höheren Offiziere. Offensichtlich existierte jedoch keine genaue Regelung über die Zahl der auszugebenden Karten, da in Einzelfällen durchaus mehr als 280 Karten verteilt werden konnten. So wurden beispielsweise für die erste Parade des Gardekorps vor Kaiser Wilhelm II. im Herbst 1888 375 Karten vom Polizeipräsidium ausgestellt, da in diesem Fall eine besonders hohe Zahl nicht-militärischer Zuschauer das Geschehen direkt auf dem Paradefeld verfolgen wollte. (…)
So zeigt eine nach der beruflichen Position der Antragsteller gestaffelte Aufstellung der Berliner Polizei über die 275 Karten der Frühjahrsparade von 1890 folgendes Bild:
26 Hofchargen
4 »fremde Gesandtschaften« und Konsulate
42 Minister, Staatssekretäre und Botschafter
3 Militär
181 Beamte
16 Abgeordnete
4 Stadtverordnete und höhere städt. Beamte
2 Privatleute
16 »Damen«
1 Zeitungskorrespondenten (…)

Die militärisch-höfische Dimension der Berliner Paraden wurde zudem dadurch unterstrichen, daß von offizieller Seite die Zulassung breiter Kreise der Bevölkerung zu den Feierlichkeiten über lange Zeit abgelehnt wurde. Zwar konnte man Zuschauer nicht völlig von den Veranstaltungen fernhalten, doch sperrte die Polizei das Tempelhofer Feld so weiträumig ab, daß nur die Wagenzuschauer das Paradegeschehen direkt verfolgen konnten. Lag der ursprüngliche Zweck der polizeilichen Absperrungsmaßnahmen darin, die »militärischen Dispositionen« vor einer Störung zu bewahren, so führte die Absperrungslinie zu einer deutlichen räumlichen Trennung von militärisch-höfischer Feierlichkeit und schaulustiger Bevölkerung. Damit wurde ein »symbolischer Raum« geschaffen, der sich als »Paradefeld« strikt von dem allgemein zugänglichen Raum abgrenzte und nur von der kleinen Gruppe offizieller Zuschauer betreten werden durfte. (…) [1-Vogel]

Litho Berlin Tempelhof, Parade auf dem Tempelhofer Feld, 1899, Eigene Sammlung

Paradeshows

Die Militärrevuen vom 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Tempelhofer Feld waren noch ganz anders verlaufen als die späteren Paraden. Diese dienten in erster Linie nur der Inspektion der Regimenter durch den König und seine Generäle. Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Friedenszeiten regelmäßig stattfindenden Frühjahrsparaden Ende Mai und die Herbstmanöver und Paraden im September wurden gegenüber den alten Militärrevuen gleichzeitig zu einem Höhepunkt im kulturellen öffentlichen Leben der Stadt.

Der Aufmarsch führte dabei immer durch das Hallesche Tor über die Tempelhofer Straße. Die Breite des heutigen Mehringdamms erinnert noch immer an die Funktion dieser Straße. Nur wenige lehnten das militärische Massenspektakel so entschieden ab, daß sie ihm bewußt fernblieben. Nicht nur der Baedeker rühmte seinerseits das »unvergleichliche militärische Schauspiel« als touristische Attraktion. Darf man einem volkstümlichen Gedicht glauben, vergaßen die Zuschauer am Paradetag jeglichen Ärger des Alltags — es ging zu wie in Köln beim Karneval:

„Und wenn nu jar zur Herbstparade de Milliteers nach Temploh ziehn… schimpft ick ooch uf die Steuern jrade Voruf marschier‘ ick ohne Jnade, denn dafor stamm ick aus Berlin! „

Aus allen Berichten und anekdotenhaften Schilderungen ist immer wieder herauszuhören: Es lag viel an dem kurzweiligen Drumherum, daß die öffentliche Zurschaustellung künftiger Kriegsteilnehmer zu einem Volksvergnügen geriet. Die Kombination des Militäraufmarsches mit Bier, Bockwurst und Bouletten ließ den Paradeakt zu einem Höhepunkt des Berliner Freizeitlebens werden. Die Popularität der bunten Militäraufzüge wird noch verständlicher, wenn man bedenkt, daß es vergleichbare Großveranstaltungen mit Volksfestcharakter in Berlin nicht gab, weder religiöse Prozessionen noch Karnevalsumzüge. Schützenfeste waren schon lange verboten, und die einzige Konkurrenz, die großen Arbeiterdemonstrationen, oft ebenfalls. Ansonsten mußten bei diesen die Fenster geschlossen bleiben, Balkone durften nicht betreten werden und in der Straße selbst war dem Nicht-Demonstranten der Aufenthalt verboten.
Bestaunt bei dem Aufmarsch wurden die verschiedenen Aufmachungen der Regimenter in Glanz und Gloria.

Die Garde-Dragoner gehörten dabei zu den Star-Regimentern (im Volksmund wurden sie Trojaner genannt). Dies bewirkte nicht nur ihre kornblumenblaue Paradeuniform mit weißem Roßhaarbusch auf dem blinkenden Helm, gleichzeitig trugen sie durch ihr stolzes Auftreten ein hohes Selbstwertgefühl zur Schau. Ohnehin fühlten sich alle Kavallerie-Regimenter gegenüber den Fußtruppen als etwas besseres.
Berlins Kinder erhielten an Paradetagen schulfrei. Die Erlebnisse dieser Tage waren anschließend Gegenstand des Unterrichts. Auch Äußerungen im sozialdemokratischen Vorwärts blieben zwiespältig. Kritisiert wurden meist nur die Auswüchse des Paraderummels: »Die Herbstparade des Garde-Corps fand gestern in üblicher Weise statt. Unter dem Publikum, welches sich gestern früh in der Belle-Alliance-Straße aufgestellt hatte, um sich den Aufmarsch der Paradetruppen anzusehen, bewegte sich ein Postkartenhändler, der wie das Berliner Tageblatt meldete, ein neues zugkräftiges Empfehlungswort für seine Ansichtskarten in Anwendung brachte. Er rief nämlich: Meine Herren! Kaufen Sie die letzten Paradepostkarten vor dem ewigen Frieden! Dieser Schlagfertigkeit des Berliners wird der kommende Weltfrieden hoffentlich keinen Abtrag thun.

Die erbeuteten Fahnen auf dem Tempelhofer Feld, Postkarte 1913, Eigene Sammlung

«Die Parade als Inszenierung der Macht« erfüllte ihre Bestimmung. Die Frage, »warum« dieses so funktionierte, sollte unter anderem berücksichtigen: Das Monopol des Militärs auf eigene Bewegungsform, eigene Formation, eigenes Aussehen, eigenes akustisches Spektakel gab dieser Institution eine Identität, die zusätzlich durch die eigene Geschichtsschreibung in Preußen-Deutschland unvergleichlich war. Dagegen der Mensch, der, als Arbeiter oder Bürger im Aufbruch in die Moderne, sich seiner Identität immer wieder aufs neue versichern mußte. So mag es nicht verwundern, wenn nicht zuletzt die sinnliche und geistige Wucht der Militärshow, die in dieser Einheit Vollkommenheit vorführte, den Zuschauer faszinierte. Galt es bei dieser Inszenierung doch nicht, selbstkritisch um das Wissen, um den Menschen zu grübeln; hier war es die einfache Selbstsetzung von Stärke, die zum Mitfühlen aufforderte. [2 – Galli]

siehe auch:
https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/disziplin/
https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/leitfaden-zum-theoretischen-unterricht-fuer-das-koeniglich-preussische-garde-dragoner-regiment-1844/

Die Lanze und die Geschichte des Schocks

Wir haben sie, die Lanze, diese Königin der blanken Waffen, für unsere gesammte Kavallerie, und inniger Dank erfüllt uns für diesen neuen Beweis weitblickender Fürsorge, unseres Allerhöchsten Kriegsherrn um die Vervollkommung der Gefechtskraft unserer Reiter. (1 – Militärwochenblatt, 1890)

Lanzenübung, DIA-Scan

Lanze.
Die Lanze, welche bei der Bevorzugung des Karabiners infolge der nach dem Krieg 1870/71 anerkannten Notwendigkeit einer Bewaffnung und Ausbildung der Reiterei für das Feuergefecht an Wertschätzung sehr verloren hatte, steigt neuerdings, nach dem Vorgang Deutschlands, im Ansehen. Man ist hier der Ansicht, dass für die schwere Schlachtenreiterei auch heute noch die Lanze die „Königin der Waffen“ sei, während dies für die im Aufklarungsdienst zu verwendenden Kavalleriedivisionen (leichte Reiter) von vielen bestritten wird.
Nachdem man in Deutschland seit 1888 versuchsweise sämtliche Kürassierregimenter, welche gleichzeitig den Küraß ablegten, und zwei Husarenregimenter mit der Lanze bewaffnet hatte, ist 1890 die Bewaffnung der gesamten deutschen Kavallerie mit einer Stahlrohrlanze verfügt worden. Auch die Unteroffiziere führen fortan eine Lanze, jedoch mit Adlerflagge, wahrend die Lanzenflagge der Gemeinen weiß-schwarz (nicht schwarz-weiß) ist. (2 – Meyers Konversationslexikon, 1892)

Attacke deutscher Dragoner

EXKURS
Geschichte des Schocks

Daß der späte Freud seinen Schockbegriff und die Theorie des Reizschutz-Durchbruchs vor dem Hintergrund des Massenphänomens des Granat-Schocks im 1. Weltkrieg entwickelt, erscheint als eine direkte Weiterführung der Geschichte des Schocks bis dahin, die weitgehend militärisch ist.
Das englische Wort »Shock« hat laut Oxford English Dictionary (OED) seit dem 17. Jahrhundert die Bedeutung von Stoß, Schlag, Erschütterung sowohl im materiell physischen wie im übertragenen psychologischen Sinn. Die ursprüngliche Bedeutung, zuerst nachgewiesen für das 16. Jahrhundert, ist militärisch. »Zuerst als militärischer Begriff verwendet«, heißt es im OED, und es bezeichne »das Zusammentreffen einer Streitmacht mit dem Gegner; ebenfalls den Zusammenstoß zweier berittener Krieger.«

Dieselbe Bedeutung nimmt etwa gleichzeitig im Französischen das Wort »choc« an. Hans Delbrück zitiert den Marschall Blais Monluc über den Zusammenstoß der feindlichen Truppenkörper in der Schlacht bei Ceresole 1544: »Alle, die im ersten Glied standen, wurde zu Boden geworfen, und zwar entweder durch den Anprall (choc) oder die Stöße (coups).«
Bevor das Wort im Englischen und Französischen diese Bedeutung annimmt, bezeichnet es im germanischen Sprachraum »einen Haufen Garben«, später die genaue Zahl 60, aber es gibt Schock auch schon in »allgemeinerer Verwendung als unbestimmter Mengenbegriff … meist von Menschenmengen, Heerhaufen.« (Grimm »Deutsches Wörterbuch«).
Nach Trübner ist das Wort Schock über das mittelniederländische »schokken« = (zusammen-)stoßen in die romanischen Sprache eingedrungen.

Eine mögliche Erklärung dafür, wie aus dem allgemeinen Wort »zusammenstoßen« die spezifische militärische Bedeudeutung Schock entstehen konnte, findet man bei Lynn White, der Entstehung der neuen Kampfform des »mounted shock combat« als Resultat der technischen Innovation des Steigbügels in der 1. Hälfte 8. Jahrhunderts beschreibt: »Indem der Steigbügel zusätzlich zu dem Sattelknopf (pommel) und den Sattelkranz (kantle) vorne und hinten gegebenen Halt noch einen seitlichen Halt gewährleistete, wurde den Pferd und Reiter wirkungsvoll zu einer Kampfeinheit zusammen geschweißt, die eine bis dahin unbekannte Stoßkraft (violence) ermöglichte. Die Hand des Kriegers führte den Stoß (blow) nun nicht selber aus, sondern sie leitete ihn bloß. Der Steigbügel ersetzte also die Kraft des Menschen durch die des Tiers und erhöhte damit wesentlich die Destruktionskraft des Kriegers. Dadurch wurde mit einemal ohne jeden Zwischenschritt, eine revolutionär neue Kampfweise möglich, der berittene Stoß-Angriff (mounted shock combat).«

(…)
Ist die durch den Steigbügel möglich gewordene Verschwelzung der Energien von Reiter und Pferd zum neuartig machtvollen Lanzenstoß der erste entscheidende Schritt zur Herausbildung des militärischen Schocks, so findet der zweite entscheidende Schritt mit der Entstehung
des modernen Heerwesens in der frühen Neuzeit statt. Sombart, der dieses moderne Heerwesen als eine der wichtigsten Triebkräfte der frühen kapitalistischen Entwicklung dargestellt hat, gibt eine schöne Beschreibung des Unterschieds zwischen Ritterheer und neuzeitlichem Massenheer, aus der hervorgeht, wie nun der militärische Schock nicht mehr von der Einheit Reiter/Pferd ausgeführt wird, sondern von der neuen Groß-Einheit des gesamten Heerhaufens. Sombart charakterisiert das moderne Heer dadurch, daß es »durch seine Größe, durch die zu einer taktischen Einheit zusammengefaßten Kriegerhaufen wirkt. Wenn tausend Ritter im Kampfe standen, so bildeten sie keine einheitliche Masse, sondern tausend Einzelkrieger fochten nebeneinander: tausend moderne Kavalleristen sind zu einem Stoße gleichsam vereinigt, wenn sie eine Attacke reiten«

(…) Sombart, der in dieser neuen Heeresform eine Analogie zu anderen modern-kapitalistischen Formen der Arbeitsteilung sieht, stellt die Konsequenz fest, die das hinsichtlich der persönlichen Entfaltung des Einzelkriegers hat, nämlich es setzt ihr ein Ende, indem die zum Truppenkörper zusammengefaßten Individuen nur ausführendes Organ einer ihnen äußerlichen Leitinstanz sind: »Die Funktionen der (geistigen) Leitung und der (körperlichen) Aktion sind also getrennt und werden von verschiedenen Personen ausgeübt, während sie früher in einer und derselben Person zusammengefügt waren.«
(…)

So bedeutsam die Analogie von Militärorganisation und Wirtschaftsleben auch ist, uns interessiert der grundlegende Unterschied zwischen beiden. Im Wirtschaftsleben erscheint die neuerworbene mechanisierte Kollektivität der Manufakturen und später der Industrieproduktion sozusagen friedlich. Sie ist produktiv, und sie reproduziert sich in ihrer linearen Mechanik. Im Militär dagegen ist der Zweck der mechanischen Organisation die Vernichtung des Gegners, die Austragung des militärischen Zusammenstoßes, eben das, was die ursprüngliche Bedeutung von »Schock« meint. Damit ist die ganz spezifische Bedeutung dieses Wortes konkretisiert. Schock bezeichnet den Zusammenstoß zweier Truppenkörper, deren jeder, indem in ihm eine Vielzahl von Kämpfern zu einer entindividualisierten und mechanisierten Einheit zusammengefaßt ist, eine neuartige einheitliche Energieballung darstellt. Das Neue an diesem militärischen Zusammenstoß ist sowohl seine Heftigkeit (aufgrund der Energieballung) wie der Grad der Zerrüttung der Elemente dieser Energieballung. Das Ausmaß der Zerrüttung ist proportional dem Grade der Energieballung. Was wir im Zusammenhang -des technischen Unfalls die Fallhöhe einer Apparatur genannt haben, finden wir hier wieder: je höher Konzentrationsgrad oder Mechanisierung miteinander kollidierender Truppenkörper, umso heftiger ist der Schock des Zusammenstoßes, umso größer die Zerrüttung der Elemente, die das Ganze bilden. Auf diesen militärischen Sachverhalt bezieht sich die »Shock«-Definition des OED, die besagt: »Ein plötzlicher kraftvoller Schlag, Aufprall oder Zusammenstoß, mit der Tendenz, den betreffenden Körper zu vernichten bzw. sein Inneres in Schwingungen zu versetzen.«
Es bedurfte also offenbar der modernen Heeresorganisation, dieser neuartigen Zusammenfassung entindividualisierter Einzelkämpfer zu einem einzigen Truppenkörper, um im Begriff des Schocks ein neuartiges Ereignis von Gewaltentladung zu fassen.

Diese neue Form des Militärs bildete sich zunächst auf der Grundlage der überlieferten Waffentechnik. Die Standardwaffe der modernen Massenheere bis ins 17. Jahrhundert hinein ist noch nicht die Flinte, sondern sind die Trutzwaffen Pike und Hellebarde. Erst im Lauf des 18. Jahrhunderts werden die Handfeuerwaffen allgemeiner Standard in den europäischen Heeren. Sie stabilisieren nun allerdings nicht allein die Tendenz zur Mechanisierung der Truppenkörper, sondern heben diese Mechanisierung auf ein neues Niveau. Man kann diese Rolle der Handfeuerwaffen vergleichen mit derjenigen, die die Dampfmaschine in der industriellen Revolution spielte: Sie setzen vorhandene Entwicklungen auf neuem technischem Niveau fort. Im Unterschied zu den Trutzwaffen, deren Bedienung sozusagen handwerkliche Fähigkeiten der Soldaten erforderte, stellen die neuen Feuerwaffen leicht handhabbare Mechanismen dar. Sie sind die technische Entsprechung zur bereits fest etablierten Mechanik der Truppenorganisation. »Diese Reform der Kriegführung«, kommentiert Feld den Übergang von den Trutz- zu den Feuerwaffen im 18. Jahrhundert, »hatte ihre Entsprechung in der industriellen Produktion im Übergang von der handwerklichen zur manufakturellen Produktionsweise.«
Die neue Qualität des Kampfes mit Handfeuerwaffen besteht im endgültigen Verlust der „persönlichen“ Beziehung der Kämpfenden aufeinander, wie sie im Kampf mit den Trutzwaffen immerhin in einem gewissen Grade noch enthalten war. Das Charakteristikum der neuen Kampfweise wird die Salve, das kollektive ungezielte Schießen des gesamten Truppenkörpers. Delbrück über diese neue Taktik des 18. Jahrhunderts: »Bei der großen Unsicherheit des einzelnen Schusses verzichtete man von vornherein auf das Zielen und sogar auf jede Ausbildung im Zielen, und suchte die Wirkung in dem möglichst schnell hintereinander abgegebenen Massenfeuer, der auf Kommando abgegebenen Salve. Wenn Friedrich (II. von Preußen, W. S.) noch vorschrieb, daß man das Feuern nicht übereilen solle, „weil ein Kerl zuforderst sehen muß, wo er hinschießt“, so ist später das Zielen sogar direkt verboten worden. Dagegen wurde der höchste Wert darauf gelegt, „daß die Salve gut zusammenbrenne und klinge wie ein Schuß.“
(3 – Schivelbusch)

Dreyse-Zündnadelgewehr

Seit ihrem ersten Auftauchen im 14. Jahrhundert werden Feuerwaffen von der Mündung aus geladen.
Das Standardprogramm endloser Drills seit Moritz von Oranien: Umdrehen des Laufs, Abbeißen der Pulverpatrone, Einfüllen des Pulvers in die Mündung, Eintreiben des Geschosses mit dem Ladestock, waagrecht Stellen des Gewehrs, Zündkraut Aufschütten, Spannen, usw.. Gewehre von hinten zu laden, wie sie über Pauly zu Dreyse geraten, revolutionieren diese operative Matrix infanteristischer Disziplinarordnung. [1 – Peter Berz, S. 214]

Dreyse-Zündnadelgewehr

Das Zündnadelgewehr wurde von einem Zivilisten, Herrn Dreyse aus Sömmerda in Preußen, erfunden. Nachdem er zuerst die Methode entwickelt hatte, eine Schußwaffe durch eine plötzlich in die in der Patrone enthaltene Explosivmasse eindringende Nadel abzufeuern, vollendete er seine Erfindung schon 1835, indem er einen Hinterlader konstruierte, der mit diesem nadelzündenden Mechanismus versehen war. Die preußische Regierung kaufte sofort dieses Geheimnis auf und bewahrte es erfolgreich, bis es 1848 publik wurde. (…)
Die Patrone enthält Kugel, Pulver sowie die Explosivmischung und wird ungeöffnet in die Kammer gebracht, die etwas größer ist als der gezogene Lauf. Eine einfache Handbewegung schließt den Verschluß und spannt zugleich die Schußwaffe. Es gibt jedoch keinen Hahn an der Außenseite. Hinter der Ladung, in einem hohlen, eisernen Zylinder, liegt eine starke, spitze Stahlnadel, die durch eine Spiralfeder in Bewegung gesetzt wird. Das Spannen der Waffe besteht lediglich darin, diese Feder zurückzuziehen, zusammenzupressen und festzuhalten. Wenn am Abzug gezogen wird, setzt er diese Feder frei, die sofort vorwärtsschnellt, auf die Patrone aufschlägt und augenblicklich die Explosivmischung entzündet; dadurch wird die Ladung abgefeuert. So besteht das Laden und feuern mit dieser Waffe nur aus fünf Bewegungen: Verschluß öffnen, Patrone hineinstecken, Verschluß schließen, die Waffe in Anschlag bringen und Feuern. Kein Wunder, daß mit einer solchen Waffe fünf wohlgezielte Schüsse in einer Minute abgegeben werden können. [2 – Friedrich Engels]

Kurz nach seinem Regierungsantritt, am 4. Dezember 1840 erteilt Friedrich Wilhelm IV. der Firma Dreyse den Auftrag, innerhalb von sieben Jahren 60 000 Zündnadelgewehre und je 500 Patronen zu liefern. Vorausgegangen war die letzte einer langen Serie von Truppenerprobungen und Vergleichs schießen mit nicht weniger als 1,5 Millionen Testschüssen.
Der Auftrag von 1840, Patente und Beziehungen zur preußischen Militärverwaltung machen Nicolaus Dreyse zum ersten Waffenmonopolisten Preußens. Die wichtigste Grundlage seiner Monopolstellung: Die neue Waffe soll, ganz gegen die zu dieser Zeit übliche internationale Zirkulation militärtechnischen Wissens, eine Geheimwaffe sein. (…)
Die ersten 45 000 Gewehre und 22 Millionen Patronen, die bis 1847 aus Sömmerda geliefert sind, werden noch nicht an die Truppen ausgegeben, sondern lagern in Zeughäusern. Im April 1848, einen Monat nach der März-Revolution und dem Rückzug des Militärs aus Berlin, sollen einige Regimenter mit den neuen Waffen ausgestattet werden. Da wird aus besonderen Gründen das Geheimnis publik. Beim Sturm aufs Berliner Zeughaus am 14. Juni 1848 entwendet der Pöbel 1000 Exemplare des Wunders. Die praktische Volksbewaffung hat nur einen kleinen Fehler: Der noch geheimere Kern des Systems, Dreyses sogenannte Einheitspatrone, lagert zur Sicherheit zwei Kilometer entfernt im Artillerielaboratorium vor dem Oranienburger Tor.
Die ersten Einsätze der Waffe, transportiert auf einem neuen Schienennetz, ausgelöst durch elektrisch telegraphierte Befehle, finden in den folgenden Monaten gegen Barrikaden in Dresden, Schleswig und Baden statt. [1 – Peter Berz]

siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreyse-Z%C3%BCndnadelgewehr

Leitfaden zum theoretischen Unterricht für das Königlich-Preußische Garde-Dragoner-Regiment, 1844

I. Einteilung der Armee . . . . . .
II. Verhalten in der Kaserne und Garnison . . .
III. Stalldienst . . . . . . . . . .
IV. Wachtdienst . . . . . . . .
V. Reiterei . . . . . . . . .
VI. Waffen . . . . . . . . .
VII. Felddienst . . . . . . . . .
VIII. Pferdebekleidung . . . . . . . .
IX. Flankiren . . . . . . . . .
X. Verhalten auf dem Marsche, in der Kantonnirung, im Bivouacq . . . . . . . .
XI. Pferdekenntniß . . . . . . . ·
XII. Kriegsartikel und Gerichtsstand . . . . .
XIII. Vermischte Gegenstände . . . . . .

Das Handbuch hat 95 Seiten. Hier ein paar Auszüge:

I. Einteilung der Armee

Wie viel Kavallerieregimenter hat die preußische Armee außer der Garde?

8 Kürassirer-, 4 Dragoner-, 12 Husaren und 8 Ulanenregimenter.

Woraus besteht ein Infanterieregiment?

Aus 3 Bataillons, 2 Grenadier- (oder Musquetier-) und 1 Füsilier-Bataillon

Woraus besteht ein Kavallerieregiment?

Aus 4 Eskadrons.

II. Verhalten in der Kaserne und Garnison

Wie ist der Dragoner auf der Straße angezogen?

Mit gutgeputzter Montierung, zugeknöpft und zugehakt.

Was heißt Honneurs?

Die Ehrenbezeigungen die dem Vorgesetzten gemacht werden.

Wie vielerlei Honneurs gibt es, welche dem
Vorgesetzen beim Begegnen gemacht werden ?

Zweierlei: – es wird Front gemacht, oder mit der Hand an der Kopfbedeckung gegrüßt.

Vor wem wird Front* gemacht?

Vor Sr. Majestät dem Könige und der Königin, den Königlichen Prinzen nnd Prinzessinnen, den Feldmarschällen,
dem kommandierenden General des Corps, dem Gouverneur, dem Kommandanten , den Kavallerie-, Brigade- und Regiments-Kommandanten, den Staabs-Offizieren des Regiments, dem Eskadron-Chef und den Offizieren der Eskadron.

Front* zum Erweisen der Ehrenbezeigung zuwenden und Haltung annehmen

Wer wird mit der Hand an der Kopfbedeckung
gegrüßt?

Alle übrigen Offizieren und Vorgesetzten, also auch die Unteroffiziere, (…)

Wann fangen die Honneurs an und hören
wieder auf?

Sechs Schritte vor und sechs Schritte hinter dem Vorgesetzten.

Was geschieht, wenn der Dragoner den Säbel
um hat und Honneurs macht?

Er zieht die Säbelscheide an, indem er entweder Front macht, oder die Hand an die Kopfbedeckung legt.

Was geschieht, wenn er den Karabiner in der
Hand hat?

Er zieht denselben an, macht jedoch niemals Front.

III. Stalldienst

Was geschieht Morgens vor dem Putzen im Stall?

Die Streu wird aufgenommer das Pferd getränkt, und genau untersucht, ob die Nacht über etwas vorgefallen ist.

Was hat der Dragoner auf Stallwache zu tun?

Es wird ihm eine Anzahl Pferde zugeteilt, auf die er immer gut Acht haben muß: er muß Decken, Halfter-, Lattierbäume, Streu, Mähnen des Pferdes (weshalb er stets einen Mähnenkamm bei sich führt) und dergleichen, wo es nötig, gleich wieder in Ordnung bringen, den Stall rein halten, sobald ein Pferd gemistet, den losen Mist von der Streu entfernen, diese ausgleichen und alle Befehle schnell ausführen, die er vom Unteroffizier du jour oder dem Gefreiten bekommt. Den Stall darf er ohne Erlaubnis nicht verlassen.

Was hat die Stallwache des Nachts zu beobachten?

Sie wird vom Unteroffizier du jour in zwei gleiche Hälften geteilt, wovon die eine schläft, die andere wacht.
Nach zwei Stunden wird abgelöst. Wer den Dienst hat muß stets aufmerksam sein, im Stall umhergehen und alles nachsehen.
Jedermann, der in der Nacht in den Stall eintritt, wird : «Werda?« angerufen.

VI. Waffen

Welches sind die Waffen der Dragoner?

Säbel, Karabiner, Büchse und Pistol.

Aus welchen Teilen besteht der Säbel?
Aus dem Säbel selbst und der Scheide.

Die einzelnen Teile des Säbels?

Gefäß und Klinge.

Die einzelnen Teile des Gefäßes?

Griff mit Gewinde, Bügel und Knopf.

Die einzelnen Theile der Klinge?

Klinge und Angel, an der Klinge Schärfe, Rücken, Spitze.

XIII. Vermischte Gegenstände

Wie viel Traktament* erhält ein Dragoner
monatlich?

3 Taler Traktament und 15 Sgr. Gemüse-Zulage.

Für welchen Preis wird der Dragoner an dem
Mittagstisch gespeist?

Für 1 Sgr. 3 Pf.

Wie wird demselben das Traktament ausgezahlt?

Alle zehn Tage und zwar nach Abzug des Tisches mit 22 Sgr. 6 Pf.

Traktament* Sold

Was erhält der Dragoner an großen Montirungsstücken*

Alle 2 Jahre 1 Waffenrock, 1 Zwilligjacke und 1 Mütze und alle Jahr 1 Halsbinde, 1 Paar Stallhosen und 1 Paar Reithosen, Helm, Mantel, Mantelsack und Sporn werden in Contingenten geliefert.

Was an kleinen Montirungsstücken*

In 3 Jahren 2 Paar Stiefeln, 2 Paar Vorschuhe,
4 Paar Sohlen und alle Jahr 2 Hemden.

Montirungsstücke* Bekleidungsgegenstände

Zur Geschichte des Panzers

Renault-Tank „Moskito“. Die Situation der Insassen ist unklar. Klar ist, wie die Geräte zu bedienen sind.

… Capitaine de Poix notierte: “ ..oft habe ich unsere Infanterie mit sehr großer Begeisterung in den Angriff fahren sehen, und dann plötzlich wurde sie durch ein unerwartetes Maschinengewehr niedergemäht, so daß das Schlachtfeld in wenigen Minuten mit Leichen bedeckt war.“
Dieser tapfere Capitaine hatte dann eine geniale Idee, um die Stellung der Truppen auf dem Schlachtfeld zu sichern. Er entwarf „gepanzerte Fahrzeuge für jedes Gelände“, und seit dem 25. November 1915 forderte er die Herstellung dieses neuen Fahrzeugtyps in großer Zahl. Am 31. Januar 1916 ließ man 400 Sturmwagen bauen, und sobald sie auf dem Schlachtfeld erschienen,war ihr psychologischer Effekt enorm, und die Generäle verlangten diese „kleinen fahrbaren Festungen“ sehr bald zu Tausenden von der Rüstung, diesen neuen technischen Gegenstand, der so perfekt ein strategisches Denken vollendete, das von der fixen Idee des großen Friedrich „Siegen, heißt avancieren!“ besessen war.