Momentfotografie und ihr militärischer Nutzen

»Es galt einen unbrauchbaren Maulesel zu vernichten, und man wollte diese Gelegenheit benützen, um die Empfindlichkeit der Gelatineplatten zu demonstrieren. Hierzu wurde dem Thiere eine Dynamitpatrone vor den Kopf gebunden und ein photographischer Apparat gegen dasselbe gerichtet. Dieselbe electrische Leitung brachte die Patrone zur Explosion und löste den Momenverschluß der Camera aus. « (Josef Maria Eder, 1887)

Als wäre ein Krieg vorzubereiten, wurde in den 1880er Jahren – und teilweise einige Jahre davor beginnend – die Momentfotografie für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt. Eine Zusammenfassung nach Anwendungsmöglichkeiten offenbart den militärischen Nutzen ; in einigen Fällen waren sogar Institutionen der Armee als direkte Auftraggeber aktiv.

Jahr      Fotografischer Untersuchungsgegenstand   durch
1884       Flintenkugel im Fluge                   Mach          Ballistik
1884     Raucherscheinungen bei Kanonenschuß       David         Artillerie
1885      Sprengung unter Wasser                   Griswold      Pioniere
1882      fliegende Vögel                          Marey
                                                   Anschütz      Flugwesen
1885     Fall- und Flugbahnen                      Marey
1885       Menschen in Bewegung                    Muybridge     Infanterie
1883     gehende, laufende, springende,            Marey
             marschierende Männer                  Anschütz                   
1883/84      Manöver                               Anschütz
1877     Pferde in Bewegung                        Muybridge     Kavallerie
1884     Sprung von Pferd und Reiter               David/Scolik
1885     Bewegungsarten des Pferdes                Anschütz
1859      Luftbilder vom Ballon aus                Nadar u. a.   Aufklärung
1883     aus 900 m Höhe                            Shadbolt
 
1880     fahrender Eisenbahnzug                    Marsh

Das Pferd und das analytische Bild

Mit solchen modernen analytischen Aufnahmen wurde 1885 die optimale Gangart und Schrittfolge der Pferde für die Dienstvorschriften ermittelt.

„Das preussische Kriegsministerium machte sich die Vorteile dieser neuen Errungenschaft zuerst dienstbar und erteilte Anschütz den Auftrag, hunderte Serien von Pferden in regel- und unregelmäßigen Gangarten aufzunehmen.“ Etienne-Jules Marey, Die Chronophotografie, Berlin 1893

siehe auch: https://geschichtsmaterialien.roarchiv.de/momentfotografie/

    Disziplin

    Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft

    Die Disziplinierung und die Versachlichung der Herrschaftsformen.

    Die Bedeutung der Disziplin und der Ursprung aus der Kriegsdisziplin

    Die rationale Disziplin ist inhaltlich nichts anderes als die konsequent rationalisierte, d.h. planvoll eingeschulte, präzise, alle eigene Kritik bedingungslos zurückstellende, Ausführung des empfangenen Befehls, und die unablässige innere Eingestelltheit ausschließlich auf diesen Zweck.
    Ein modernes Offizierkorps mit seinem Fürsten an der Spitze, können nur durch das Mittel einer ganz straffen Disziplin innerhalb ihrer eigenen Gruppe die sichere schlagfertige Ueberlegenheit gegenüber den Beherrschten behaupten und den »blinden« Gehorsam der letzteren ebenfalls nur durch deren Erziehung zur Unterordnung unter die Disziplin und unter sonst nichts anderes ihnen »einüben«.

    Parade auf dem Tempelhofer Feld

    An Stelle der individuellen Heldenekstase, der Pietät, enthusiastischen Begeisterung und Hingabe an den Führer als Person, des Kultes der »Ehre« und der Pflege der persönlichen Leistungsfähigkeit als einer »Kunst« setzt sie die »Abrichtung« zu einer durch »Einübung« mechanisierten Fertigkeit und, soweit sie an starke Motive »ethischen« Charakters überhaupt appelliert, [die Ausrichtung auf] »Pflicht« und »Gewissenhaftigkeit« voraus, alles aber im Dienst des rational berechneten Optimum von physischer und psychischer Stoßkraft der gleichmäßig abgerichteten Massen.

    Die Disziplin des Heeres ist aber der Mutterschoß der Disziplin überhaupt. Der zweite große Erzieher zur Disziplin ist der ökonomische Großbetrieb.(…) Die Betriebsdisziplin ruht,(…) hier völlig auf rationaler Basis, sie kalkuliert zunehmend, mit Hilfe geeigneter Messungsmethoden, den einzelnen Arbeiter ebenso, nach seinem Rentabilitätsoptimum, wie irgendein sachliches Produktionsmittel. Die höchsten Triumphe feiert die darauf aufgebaute rationale Abrichtung und Einübung von Arbeitsleistungen bekanntlich in dem amerikanischen System des »scientific management«, welches darin die letzten Konsequenzen der Mechanisierung und Disziplinierung des Betriebs zieht. Hier wird der psychophysische Apparat des Menschen völlig den Anforderungen, welche die Außenwelt, das Werkzeug, die Maschine, kurz die Funktion an ihn stellt, angepaßt, seines, durch den eigenen organischen Zusammenhang gegebenen, Rhythmus entkleidet und unter planvoller Zerlegung in Funktionen einzelner Muskeln und Schaffung einer optimalen Kräfteökonomie den Bedingungen der Arbeit entsprechend neu rhythmisiert. (…)

    Die Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments

    1847: Im Spätherbst des Jahres erhalten der Geheime Oberbaurat Fleischinger und der Baumeister Drewitz den Auftrag, ein Kavallerie-„Casernement” für das Königliche Garde-Dragoner-Regiment zu entwerfen. Als Baugrund erwirbt der Militärfiskus den nördlichen Teil des ehemaligen Upstalls, der Pferdekoppel und -weide, von den Tempelhofer Bauern. Dieses große Grundstück liegt außerhalb der Stadtmauern im freien Gelände der Tempelhofer Vorstadt an der Ecke Tempelhofer Straße (später Belle-Alliance-Straße, heute Mehringdamm) und Mühlenweg (später Teltower, heute Obentrautstraße).
    1848: Nach der niedergeschlagenen Revolution beginnen noch in demselben Jahr die Bauarbeiten.
    1852: Die Unterkünfte für die Soldaten werden fertiggestellt. Im Wohngebäude finden 515 Soldaten und vier Offiziere Platz. (…)
    Im Gegensatz zu den beengten, zum Teil im Keller liegenden Räumen der Soldaten sind die Aufenthaltsräume der Offiziere, die nicht im Gebäude, sondern in Privatwohnungen der näheren Umgebung wohnen, großzügig bemessen und ausgestattet. An der Ecke Tempelhofer Straße/Mühlenweg liegt ein Offiziersgarten.
    1853 bezieht ein Infanterie-Regiment die Unterkünfte, während die Ställe nach den ursprünglichen Plänen für die Kavallerie fertig ausgebaut werden.

    Die Kasernenanlage

    1855 zieht das 1. Garde-Dragoner-Regiment in die fertiggestellte Kaserne ein. (…) Die Pferdeställe mit vier Stallflügeln schließen drei lange Höfe ein, von denen die beiden äußeren für Reitübungen und der mittlere zum Fußexerzieren bestimmt sind. Die Stallungen können 676 Pferde aufnehmen. Das gesamte Gelände ist von einer Mauer umgeben, hat neben dem Haupttor drei weitere Eingänge sowie zahlreiche Nebengebäude.

    „Fußexercirplatz“ auf dem Kasernengelände, um 1880
    Im Hof der Dragoner-Kaserne werden preußische Kavallerie-Exerttitien vorgenommen, 1871
    Wachmannschaft der Ersten-Garde-Dragoner vor dem Eingangstor ihrer Kaserne

    siehe auch: https://upstall.de/daten/dragonerareal/chronik-kasernengelaende/